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03.11.2020

Gastbeitrag: Genome Editing – Wir dürfen nicht riskieren, vom technologischen Fortschritt abgeschnitten zu werden

Unsere neueste Ausgabe des Trendbriefes Agrarwirtschaft spiegelt aktuelle Debatte rund um Genome Editing in der Landwirtschaft wider. Lesen Sie hier das Editorial von Dr. Momme Matthiesen, Geschäftsführer von OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Dieser Anspruch gilt ganz besonders für den Agrarbereich aufgrund steigender  Herausforderungen: Wetterextreme, Ernteausfälle, Bedarf für nachhaltige Produktionssteigerung und Versorgungssicherheit für eine wachsende Weltbevölkerung. Gleichzeitig werden mehr ökologische Landwirtschaft, Optimierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, CO2-Reduzierung sowie Erhalt der Biodiversität gefordert. Ein Widerspruch?

Die Agrarwirtschaft ist in der Lage und gewillt, geeignete Lösungen zu entwickeln – diese müssen nur genutzt werden dürfen. Dank wissenschaftlichem Fortschritt nutzen immer mehr Länder die Vorteile von neuen Züchtungstechniken (NZT), darunter z.B. Kanada und Australien. Auch in Deutschland wollen Pflanzenzüchter mit dem Forschungsprojekt “Pilztoleranz von Weizen mittels neuer Züchtungsmethoden (PILTON)” optimierte Pflanzen für eine ressourcenschonende und produktive Landwirtschaft bereitstellen. 


Aber sind Deutschland und Europa bereit, diese Chance zu ergreifen? Der Europäische Gerichtshof hat auf Grundlage des veralteten Gentechnikrechts am 25. Juli 2018 alle NZT-Pflanzen pauschal als GVO eingestuft und damit ihre Anwendung praktisch unmöglich gemacht. Doch weder Handel noch Behörden können das geltende Recht befolgen, weil keine Nachweismethode für Genome Editing-Produkte ohne artfremde Gene existiert. Auch eine unlängst von NZT-Kritikern wie dem Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. und Greenpeace vorgestellte Methode hat sich dafür als untauglich erwiesen. Viele Argumente gegen die NZT sind politisch oder gar historisch und genauso veraltet wie das europäische Gentechnikrecht selbst. Seine Anpassung ist dringend erforderlich. Deshalb ist es zu begrüßen, dass der Rat der EU-Agrarminister im November 2019 die EU-Kommission ersucht hat, bis April 2021 den rechtlichen Status der NZT neu zu bewerten. Davon hängt vor allem ab, ob Deutschland und Europa von den Vorteilen des weltweit bereits genutzten Genome Editing absehbar ebenfalls profitieren dürfen.

Wir dürfen nicht riskieren, vom technologischen Fortschritt abgeschnitten zu werden und Störungen des internationalen Agrarhandels, mit Auswirkungen auf die weltweite Versorgung mit Lebens- und Futtermitteln, zu provozieren.

Dr. Momme Matthiesen Geschäftsführer OVID Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland für den Grain Club

Wir dürfen nicht riskieren, vom technologischen Fortschritt abgeschnitten zu werden und Störungen des internationalen Agrarhandels, mit Auswirkungen auf die weltweite Versorgung mit Lebens- und Futtermitteln, zu provozieren. Hierzu sehen wir die Politik klar in der Verantwortung. Dafür benötigen wir aber auch einen öffentlich geführten und faktenbasierten Dialog. Mit der digitalen Veranstaltungsreihe „Dialog Genome Editing“ setzt sich der Grain Club gemeinsam mit zahlreichen Verbänden der Agrar- und Ernährungswirtschaft für diesen Weg ein.

Mehr zu dieser Thematik finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Trendbriefes Agrarwirtschaft.