1. Wer wir sind und wofür wir stehen – Der Grain Club
Der Grain Club ist eine Allianz von Verbänden der Lebensmittel- und Futtermittelwirtschaft. Seine Mitglieder repräsentieren die verschiedenen Stufen der Getreide-, Futtermittel- Ölsaatenwirtschaft.
Aufgabe des Grain Clubs ist, für die beteiligten Verbände und deren Mitgliedsunternehmen zu wichtigen agrar- und handelspolitischen Themen Position zu beziehen. Zentrales Leitbild ist dabei die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Der Grain Club steht für eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion und verantwortliches Wirtschaften unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Faktoren. Seit über zehn Jahren ist der Grain Club eine wichtige und anerkannte Stimme der Agrarwirtschaft.
2. Nachhaltigkeitszertifizierung – Unser Appell an die Politik
Nachhaltigkeit ist heute fester Bestandteil des politischen und gesellschaftlichen Diskurses um die Landwirtschaft der Zukunft. Der Grain Club unterstützt das Ziel, den Anteil nachhaltig produzierter Rohstoffe und deren Verarbeitungsprodukte schrittweise auszubauen. Zertifizierungssysteme können hier eine wichtige Unterstützungsfunktion übernehmen, jedoch nur wenn die richtigen Voraussetzungen erfüllt sind.
Unser Appell an die Politik:
Um Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in Einklang zu bringen, müssen Zertifizierungssysteme für landwirtschaftliche Rohstoffe folgende Leitprinzipien erfüllen:
1. Objektivität. Definition von Nachhaltigkeitsstandards und Vergabe von Nachhaltigkeitszertifikaten müssen auf objektiven, nachvollziehbaren und fundierten Kriterien basieren.
2. Effektivität. Zertifizierte Produkte und Prozesse müssen nachweislich einen veritablen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Nur so können Nachhaltigkeitszertifikate Lenkungswirkung entfalten und Schwachstellen langfristig beseitigen.
3. Kompatibilität. Um eine effektive Anwendung von Standards zu ermöglichen und den internationalen Agrarhandel nicht zu beeinträchtigen, ist die Nachhaltigkeitszertifizierung an globalen Standards auszurichten. Internationale Vereinbarungen auf politischer Ebene spielen dabei eine entscheidende Rolle.
3. Wir bewegen uns. Ansätze für mehr Nachhaltigkeit in der Praxis: Beispiel Soja
Der Grain Club legt Wert auf die Nachhaltigkeit von Sojaschrot und begrüßt die vom europäischen Verband der Mischfutterhersteller (FEFAC) im Herbst 2015 definierten Leitlinien für die nachhaltige globale Sojabeschaffung, denen sich die FEFAC-Mitglieder in einer freiwilligen Selbstverpflichtung verschreiben. Wichtig ist dem Grain Club insbesondere, dass die Leitlinien unter Berücksichtigung der bereits weitgehend etablierten Empfehlungen der globalen Sustainable Agricultural Initiative (SAI) erarbeitet wurden. Hiermit wird ein wichtiger Schritt hin zu internationalen Mindeststandards getan.
Der Kauf von Soja nach den übergreifenden Leitlinien ermöglicht es der Warenkette, im Gegensatz zu individuellen Zertifizierungen, die kontinuierliche Entwicklung des Marktes hin zum ausschließenden Bezug von nachhaltiger Soja zu erleichtern und zu beschleunigen. Die europäische Mischfutterindustrie ist zuversichtlich: Wenn die Marktbeteiligten diese Leitlinien aktiv unterstützen, können in kurzer Zeit große Mengen an nachhaltigem Sojaschrot in den Markt eingeführt werden.
Grundsätze und Kriterien für die nachhaltige Sojabeschaffung gemäß den „FEFAC Leitlinien für die Sojabeschaffung“ (Auszug)
Umweltverantwortung
- Die Ausweitung des Sojaanbaus ist verantwortungsvoll.
- Produktionsabfälle werden verantwortungsvoll entsorgt.
- Es besteht das Bemühen, die Verwendung von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Gute landwirtschaftliche Praxis
- Die Qualität und die Versorgung mit Oberflächen- und Grundwasser werden erhalten oder verbessert.
- Die Bodenqualität wird erhalten bzw. verbessert und es werden Maßnahmen zur Vermeidung von Erosion getroffen.
- Die in den Stockholmer und Rotterdamer Übereinkommen aufgelisteten Agrochemikalien werden nicht verwendet und die Anwendung von Agrochemikalien erfolgt in Übereinstimmung mit der guten fachlichen Praxis.
Einhaltung der gesetzlichen Landnutzung / Bodenrechte
- Die gesetzlichen Landnutzungsrechte sind klar festgelegt und nachweisbar
- In Gebieten mit traditionellen Landnutzern werden Konflikte um die Landnutzung vermieden oder gelöst.
Schutz der Beziehungen zur Gemeinschaft
- Es wird ein Verfahren zur Klärung von Klagen und Beschwerden eingeführt, das den lokalen Gemein-
schaften und traditionellen Landnutzern zur Verfügung steht.
- Es stehen Wege für die Kommunikation und den Dialog mit der lokalen Gemeinschaft zu Themen bezüglich der Tätigkeiten rund um den Sojaanbau und dessen Auswirkungen zur Verfügung.
4. Wir stehen Ihnen zur Verfügung
Der Grain Club unterstützt das Ziel, den Anteil nachhaltig produzierter Rohstoffe und deren Verarbeitungsprodukte schrittweise auszubauen. Mit unserer unternehmerischen Erfahrung aus vielen Bereichen der Wertschöpfungskette und einem internationalen Netzwerk möchten wir gemeinsam mit Ihnen diese Entwicklung begleiten und vorantreiben. Gern reflektieren wir mit Ihnen politische Überlegungen zu Nachhaltigkeitsstandards und Nachhaltigkeitszertifizierung – und darüber hinaus.